Bernard Föll Retrospektive

Malerei, Filmscripts, Kollagen & Super8

from: 07.02.2014 7pm  to: 08.03.2014

Malerei, Filmscripts, Kollagen und Super 8 Filme

Vernissage: 7. Februar 2014, 19Uhr, Einführung: Dr. Peter Funken.

Finnisage: 8.März 2014, 7pm, Super 8 Filme von Bernard Föll, Einführung: Heiner Mühlenbrock.

Bernard Fölls Karriere als bildender Künstler umfasst nun gut 30 Jahre.
Als Künstler ein Autodidakt, aber umfangreich gebildet und einfallsreich wie nur wenige seiner Zeitgenossen des Boheme-Berlins, war Föll zuerst als Schauspieler und Regisseur innerhalb der West-Berliner Super 8 Filmbewegung in den frühen 1980er Jahren tätig – „ein kreatives Berlin, welches bis heute Einfluss auf die deutsche Popkultur und ausübt.“

Wie Chrisaphenia Danai Papagrigoriou anbringt, war Super 8 für diese Künstler kein zufälliges oder lediglich stilistisches Mittel, sondern eine bewusste Punk-Entscheidung für ein obsoletes und billiges kreatives Medium. Ein Mittel, welches sich ohne jegliche akademische Anerkennung oder externem Tragwerk hauptsächlich in Kreuzberger Kneipen, autonomen Kunsträumen, Clubs und heruntergekommenen Hinterhöfen entwickelte.

Viele Künstler dieser Zeit arbeiteten mit jedem verfügbaren Medium und erklärten sich selbst als „Geniale Dilletanten“; die Liebe des „Trash“ und die Missachtung der „Hoch – und Massenkultur“ ist heute noch in Bernard Fölls Werken ersichtlich. Genauso wie Fölls Leidenschaft für „Art Vache“, praktiziert von Magritte, Picabia, Polke, Lausen, Kippenberger und den Oehlen Brüdern.

Erstmals nutzte Bernard Föll Collage und Grafikkompositionen während der Gestaltung von selbstgemachten Plakaten für Super 8 Filmvorführungen in den frühen Achtzigern.
Dieses Interesse führte ihn letztendlich dazu Ausschnitt- und Schablonenarbeiten herzustellen. Seit den frühen Neunzigern malt er überwiegend mit Schablonen – schon lange bevor Street Art diese Technik für sich entdeckte und ihr Popularität schenkte.

Anstatt Museumskunst als Referenz zu nutzen, beschränkt sich Föll auf gefundene Bilder der Massenmedien, anspruchslose Quellen sowie auf italienische Porno-Comics, Schundliteratur und Plattencover, die er über Jahre hinweg als DJ in Berlins Kunst- und Punkszene gesammelt hat. Seine Malerei lediglich als simple Pop-Art zu bezeichnen würde ihr nicht gerecht. Fölls Methode des Aufgreifens von politischen und gesellschaftlichen Themen; der Dekontextualisierung und Repräsentation von politisch inkorrekten Bildern in unerwarteter Weise setzt sein Oeuvre eher in die Tradition der „Metro Artists“ aus dem New York der 1980er, darunter Richard Prince. Prince stellte die dunkle Seite der Popkultur in Frage und reflektierte sie in einem kritischen Versuch die Medien zu konfrontieren – im Gegensatz zur Popkultur.

Ideologische Konflikte und Krieg sind wiederkehrende Themen in vielen von Fölls Arbeiten, die seit 9/11 entstanden sind. Wenn man Föll nach seinem künstlerischen Fokus befragt, zitiert er den Philosophen Eric Voegelin und seine „pneumapathologische Deformation“ der Realität, in der diese sich zu Ideologie, Psychose und Gewalt verformt. Diese Thematik wird nicht nur bildlich aufgegriffen, sondern auch durch technische Transformierung und Zerstörung des Bildlichen.

Religiöse Themen sind genauso Teil von Fölls Werk: Der Maler genoss eine Erziehung bei Franziskanern, die laut seiner Aussage, die Hippies aller katholischen Orden darstellen, da sie eine Aversion gegen Industrie und Geldgeschäfte haben. Dabei zitiert er Pasolinis Film „Uccellaccie Uccellini“ – eine Ode an Franziskanische Lyrik und Radikalismus. Wie bei Pasolini ist Fölls fortschrittliche politische Einstellung und sein Atheismus vom Katholizismus gespeist.
Neben verschiedenen Darstellungen von Himmel und Hölle, die von historischer Wandmalerei inspiriert sind, ist „The Meeting“ besonders interessant, da es das Thema der Zusammenkunft widerspiegelt, die später in der christlichen Kunst als letztes Abendmahl wieder interpretiert wurde. Hier ergeben diverse Elemente wie Filmplakate, Prog-Rock Plattencover, historische Skizzenbücher eine Konferenzsituation von Platzhaltern vieler Zeiten und Kulturen.

Solche Gegensätze von künstlerischem Multikulturalismus, Trash, Politik und Skepsis stehen wohl symbolisch für sein Gesamtwerk.

Bernard Föll hat in ganz Deutschland ausgestellt sowie auch in Wien und Liverpool und nahm teil an der M.A.I.S. Ausstellungsserie. Der Künstler ist auch als Kurator tätig, beispielsweise für eine Serie von Clubkunstausstellunge im Haus am Lützowplatz und hat selbstständig verschiedene Gruppenausstellungen in Berlin kuratiert und organisiert.

Bio CV Bernard Föll