Overlooking I – Ink Agop

Video/Multimedia, Installation, Skulptur

from: 25.02.2016   to: 03.03.2016

SomoS Kunsthaus zeigt die Einzelausstellung „Overlooking I“ der in Berlin ansässigen Multimedia Künstlerin Ink Agop aus Japan. Basierend auf einer Performance, die sie während ihrer Künstlerresidenz in ComPeung, Thailand, 2014-2015, entwickelt und aufgenommen hat, beschäftigt sie sich thematisch mit dem Motiv des Schamanismus. Dieses Projekt mündet in der „Overlooking I“ -Installation, die sich aus Videoprojektion und kinetischen Skulpturen zusammensetzt, welche aus organischen Materialien bestehen und von Agop selbst aus der Natur gewonnen wurden. Nach Agops deutlicher und zeitgenössischer Interpretation, kann der Schamane nicht nur ein geheimnisvolles und heilendes Geschöpf darstellen, sondern auch Aspekte eines Scharlatans, Darstellers, Clowns oder Poeten bis hin zum Prostituierten aufweisen.

Agops sehr persönlicher und augenblicklich wiedererkennbarer Ansatz beschäftigt sich mit einer bemerkenswerten Bandbreite an Techniken, von frühen filmischen Darstellungen der Zoetrop Methodik über Installation und Skulptur bis zu Video/Multimediakunst. Mit deren Hilfe sollen Erkenntnisse über die kollektiven und rituellen Verhaltensweisen gewonnen werden, die sowohl das Ichbezogene, als auch das Wir bezogene Denken über Raum und Zeit hinweg übersteigen.

Eröffnung: Donnerstag, der 25.Februar 2016, um 18:00 Uhr mit einer Live Performance von Mieko Suzuki..

Photos: Ala hmedy, Ink Agop, SomoS


INK AGOP: OVERLOOKING I – Justin Ross

Februar 2016, präsentiert SomoS Art House Ink Agop‘s: Overlooking I.
Diese Einzelausstellung ist die Erste, seitdem Agop 2015 von ihrer Künstlerresidenz in Chiang Mai, Thailand, zurückgekehrt ist. Die Ausstellung eröffnet die Möglichkeit, Agop’s neueste Videoarbeit zu sehen, welche das Ergebnis einer ergreifenden Reise in die abgelegensten Dörfer dieser thailändischen Region zeigt, und einer erneut aufgegriffenen Sichtweise auf Videomaterial und Installationen, die sowohl in Thailand, als auch ihrem derzeitigen Wohnsitz Berlin entstanden sind. Als Ganzes betrachtet, heben diese Arbeiten ihre einzigartige Fähigkeit hervor, offenkundige Gegenteile harmonisch zu verbinden und innerhalb einer Darstellung in Einklang zu bringen, beispielsweise die Themen Schintosimus & Bondage oder die Motive der Isolation & Einigkeit.

Dieses komplexe Gleichgewicht wird durch einen sehr persönlichen Prozess erzielt und behandelt dabei den gesamten Wandel vom eigenen Ich zum “Ur-eigenen Ich”, eine bedeutsame und unbeschränkte Version eines selbst, die einmalig ist und von Geburt an existiert. Das Ergebnis dieser rituellen Transformation versetzt einen zurück in den “Neutralen Zustand” und offenbart uns das eigene Unterbewusstsein in seiner Ursprünglichkeit, seinem Instinkt und sogar seiner Anomalie. Eben diesen ungehemmten und uneingeschränkten Zustand greift Agop filmisch auf, wobei sie eine objektive Perspektive einnimmt. Sie veranschaulicht diese intime und doch absolute perspektivische Position in “there and here 2”, eine Arbeit bei deren Anfertigung eine weite Reise in den tiefen Dschungel von Thailand erforderlich war. Der Federschmuck und die Körperbemalungen, die Agop durch den Prozess hindurch zieren, repräsentieren dabei einen universellen Trieb, durch deren Verdeutlichung eine bessere Verbindung zu unserer ursprünglichen Beschaffenheit hergestellt werden soll. Der Schmuck und die Verzierungen sind aus ihrer intensiven Auseinandersetzung mit Schamanismus und der persönlichen Begegnung mit einheimischen Gruppierungen aus entfernten Gegenden entstanden. Sie sind jedoch weder als verbindliche Zuweisung oder beschlagnehmendes Mittel zu verstehen, noch als eine rein symbolische Darstellung. Viel eher kann es als eine äußerlich sichtbare Wiederspiegelung dieser angesammelten Erfahrungen und bereichernden Erkenntnisse gesehen werden, die Agop personifiziert und reinterpretiert hat.

Zum ersten Mal verkörperte Agop solch einen Zustand während einer früheren Residenz in Thailand 2014. Dort hat sie eine andere Video Arbeit angefertigt, in der sie ihre bestrebte Suche nach spirituellen Elementen darlegt, welche uns im humanen und animalischen Sinn verbinden um der Natur näher zu kommen. Diese Videoinstallation verbindet zeitgenössische Videovorstellung mit der Anwendung älteren Techniken und bereits verwerteten Materialien um eine breit gefächerte Sicht des eigenen Selbst zu erschaffen. Ein einfacher rotierender Motor formt die natürlichen Materialien in eine dreidimensionale Projektionsfläche um, die die auftauchenden Figuren im Raum schweben und sich von Bewegungen, Biegungen und Strömen leiten lassen. Ohne die rahmenbildene Struktur der abgebildeten Elemente aus Holz und Strick würde das Bild gar nicht erst enstehen, wodurch unsere eigene Abhängigkeit und untrennbare Verbindung zur Natur wiederspiegelt wird.

Das zweiseitige Motiv der Natur -als Spiegel und gleichzeitige Handlungsfläche- findet in einer dritten Arbeit erneut Einzug und trägt den einfachen Titel “mirror”. Holz, Stein und Seil hängen prekär über einem regungslosen Wasserbecken, auf das ein flackerndes Video projiziert ist. Die Empfindsamkeit und und Spannung dieser Vorrichtung entsteht durch den Gebrauch einer Bondage Technik namens “Kinbaku”, die Agop in ihrer Heimat Japan untersucht hat. Weihevoll wird das stille Wasser in regulären Intervallen von einzelnen Tropfen durchbrochen, wodurch das harmonische Bild zerstört aber auf auf sinnliche Weise an die Kraft der Natur erinnert wird.

Das Herzstück dieser drei Arbeiten stellt eine aufrichtige Ehrfurcht gegenüber aller natürlichen Gebilde dar und steht in starker Verbindung zu Agops Kulturerbe aus der japanischen Shinto Religion. In Shinto werden, wie in einigen polytheistischen und weltweit praktizierten Religionen und Ritualen, Menschen innerhalb des systemischen Gefüges als gleichwertige Geschöpfe zu Tieren und natürlichen Gegenstände verstanden, welche sogar vergöttert werden. Aus dieser Perspektive heraus, bewältigt Agop die anspruchsvolle Aufgabe, offensichtlich ungleiche Sachverhalte miteinander zu verbinden: neuartige Medien und Videokunst mit tief verwurzelten und rituellen Methoden und dem elementaren Selbst.

Das Kennzeichen Agops sehr persönlichem und schnell wiedererkennbarem künstlerischen Ansatz ist, die Implementierung einer bemerkenswerten Bandbreite an Techniken; von frühe filmische Präsentationen wie die Zoetrop Methode, bis zu moderne Drohnen-Technologie, der genutzt wurde um die Eigenaufnahmen für “there and here 2.” zu machen.

Agop integriert neue Technologien, ohne dabei auf die Technik selbst angewiesen zu sein und verbindet und mischt diese mit organischen Elementen. Mit dieser unkonventionellen Kombination aus natürlicher Welt und Neuen Medien, offenbart uns Agaop eine weitere Alternative und möglicherweise sogar ein Gegenstück zu unserer hoch digitalisierten und technologischen Welt.

Übersetzung: Johanna Griebert