Übersättigung & Verfall

Madeline Stillwell, Nick Dewar, Willi Tomes

from: 10.11.2014   to: 29.11.2014

Im November 2014 präsentiert SomoS mit „Saturation & Decay“ (Übersättigung & Verfall) eine Gruppe von Künstlern, die sich mit den Mechanismen von Zeitlichkeit und der Relativität von Wert auseinandersetzen. Die Künstler eint ihr Zugang zu der Poetik abgelegten materiellen Begehrens und der Relikte des kollektiven Gedächtnisses, des Vergänglichen und des Kaputten. Ihre Arbeiten bieten einen Ausgangspunkt für düstere Reflektion und regen zur kritischen Überprüfung von Nostalgie an. Müll – Symbol einer gesättigten Kultur – entwickelt sich zu einer Kompositionssprache und erzielt als solche eine unheimliche Verschmelzung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Madeline Stillwells Objekten nutzen sowohl unkonventionelle, oft industrielle Materialien als auch Abfall aus verlassenen urbanen Gewerbeflächen. Sie legt mit ihrer Arbeit die Gefahren und Schwierigkeiten unserer alltäglichen geistigen und emotionalen Navigation durch die Ablagerungen vergangener kultureller Sphären und Konzepte frei.

Die Spannung zwischen den Aspekten des Rohen und des Verarbeiteten ihres gefundenen Materials ermöglicht durch geschickte Komposition einen Dialog zwischen den Medien der Zeichnung, Performance und Skulptur. Im drastischen Kontrast zu den Materialien, die sie benutzt, folgt Stilwell stringent einer Logik der Textur und Farbe, die ihren Kunstwerken eine malerische Qualität verleiht.

Fasziniert und bedrückt vom Lauf der Zeit benutzt Nick Dewar ein spezielles Verfahren, mit dem er seine Leinwände strapaziert und einfärbt. Dieser symbolische Prozess erlaubt es ihm “gleichzeitig zu kreieren und zu zerstören: wenn die Leinwand abnutzt, enthüllt sich das Bild und gibt dem Künstler die befriedigende Fähigkeit, den Lauf der Zeit zu untergraben”.

Dewars Kunst wendet sich gegen die tröstliche Vorstellung der ars longis, die der Kunst als Speicher für unsere Werte und unseren Geschmack ewige Bedeutung verleihen will. Stattdessen bietet uns Dewar Kunst an, die Ebenen künstlichen Verfalls über alte Einrichtungsgegenstände lagert und dabei den Verlust ihrer einstigen Relevanz betont.

Willi Tomes verwandelt fast vergessenes Ödland popkulturellen Bewusstseins in Landschaften, die über bloße Konsumkritik hinaus Schönheit in veredelnder Komposition finden.

Mit seinen Skulpturen, Installationen und “Materialgemälden” bringt uns Tomes eine frische Interpretation der künstlerischen Tradition der Assemblage und von Gustav Metzgers Auto-Destructive Art.

Tomes Kunst ist sowohl von einer Ästhetik der Gewalt und des Verfalls als auch den anregenden Dimensionen unseres intellektuellen und emotionalen kollektiven Gedächtnisses gekennzeichnet. Seine kreative, impulsive Zerstörung transformiert Lost Media wie etwa Platten und ihre Cover, Kassetten und den glänzenden Plastikmüll ehemals begehrter Haushaltsgegenstände zu grob wiedergeborenen Kunstwerken.

Biographische Angaben:
Nick Dewar
Madeline Stillwell
Willi Tomes