FLEISCHLICHE GEDANKEN

Magda Kaufmanns Serie “Wurst und Fleisch vom Wolf”

from: 27.02.2015

Rosa, Rot, Fleisch – Dieses Mal verbindet SomoS gleich zwei Bedürfnisse: die des Magens und die des Auges. Chefkoch Daniel Morgan wird unter dem Motto “from nose to tail” kochen und somit möglichst alle Teile eines Tieres zur kulinarischen Verköstigung nutzen. Die Künstlerin Magda Kaufmann unterlegt dieses Thema mit ihren Werken aus der Serie “Wurst und Fleisch vom Wolf”. Hier scheinen sich großformatige, rohe Steaks und Speckstücke von der Leinwand zu lösen und dem Gast direkt auf den Teller springen zu wollen. Dazwischen eine Fleischerin mit ihrem säbelartigen Arbeitsgerät und dem glänzenden Perlenohring. Resignierend starrt sie ins Leere und nur das Feischrosa des Raumes lässt Rückschlüsse auf ihren Arbeitsort zu. Die Waden des Fleischers fallen aus dieser Farbigkeit heraus, jedoch wird der Betrachter erröten wenn er sich dabei ertappt die Waden mit intimeren Körperpartien zu vergleichen.

Eine Hommage an den ungezügelten Fleischkonsum? Irrtum! Die Künstlerin ist sich der aktuellen Fleischdisskusion bewusst. Eigene Kindheitserfahungen haben ihre Beziehung zu den sogenannten Nutztieren nachhaltig geprägt. Es findet hier keine Vermenschlichung statt, aber trotzdem muss ein ethischer Weg für diesen Genuss gefunden werden. Dabei stehen neben der Tierhaltung vor allem die ganzheitliche Nutzung des Tieres “from nose to tail” im Vordergrund. Magda schwingt jedoch nicht mahnend den Zeigefinger, sondern setzt sich humoristisch mit dieser Problematik auseinander. Dabei ist das Schwein ein immer wiederkehrendes Motiv in ihren Bildern. Die Serie “Menschenschweine” von 2002 besteht aus collagenartigen Drucken, in denn nackte Menschenkörper mit Schweineköpfen gepaart sind. Lasziv räkeln sie sich auf dem Sofa oder auf allen Vieren. Auf ironische Weise hält sie uns den Spiegel vor und wir müssen uns fragen, ob wir durch unseren arglosen Umgang mit den Tieren nicht selbst schon längst zu Schweinen, im negativsten Sinne des Wortes, geworden sind.

Wer glaubt Magda Kaufmann widme sich nur der zweidimensionalen Fleischeslust, wird überrascht von ihrer Vielseitigkeit sein. Neben ihren fast sarkatisch anmutenden Objektserien “Toilettenbarbie” und “Armengarten” (beide 2009), erschuf sie auch die kleinste Galerie Berlins. Das sogenannte “Kunstauto” (2007-2010) ist in Wirklichkeit ein Wartburg 311 aus dem Jahr 1962. Gefunden hat ihn Magda, einen Halbenmeter tief in der Erde bei Verwandten aus der ehemaligen DDR. Das Konzept war es, Kunst im öffentlichen Raum für jedermann zugangänglich zu machen.
Solche und andere originelle Ideen entstehen in einem fortlaufenden Schaffensprozess. Daher ist es nicht unüblich, dass bestimmte Themen wieder aufgegriffen werden. Was dabei herauskommt ist auch immer eine Überraschung für die Künstlerin selber. Auch über ihren zukünftigen Projekten hängt der geheimnisvolle und gleichzeitig schelmische Mantel des Schweigens. Wir dürfen gespannt bleiben.

Magda Kaufmann CV

Magda Kaufmanns Serie “Wurst und Fleisch vom Wolf” wird gezeigt während dem Event The Ode to the Beast and the Feast mit chefs Daniel Morgan und Chriss Denney, 27. und 28.Februar 2015.

Text: Lydia Wendt