Podiumsdiskussion Gentrification

from: 25.01.2014 7pm  to: 10pm

Podiumsdiskussion der Anwohnerinitiative Ernst Thälmannpark
zum Thema Gentrifizierung

Am Samstag, dem 25. Januar 2014, lädt die Anwohnerinitiative Ernst-Thälmann-Park zur Podiumsdiskussion zum Thema Gentrifizierung ein.

Ab 19 Uhr soll nicht nur über die rasante Gentrifizierung in Berlin informiert werden. Vielmehr soll betroffenen Initiativen die Gelegenheit geboten werden, von Ihren Erfahrungen zu berichten und voneinander zu lernen. Auf dem Podium werden unter anderem Katrin Schmidberger (MdA Bündnis 90/Die Grünen) und der Pankower Mietprotest vertreten sein. Begleitet wird die Veranstaltung durch eine Fotoausstellung zum Thema Wohnen und Leben in Berlin im Wandel.

Eine Stadt für alle – ein absurder Traum?

Mieter in Not und Bedrängnis: Überall in Berlin versuchen etliche Vermieter, Eigentümer, Immobilienmakler, Projektentwickler, Spekulanten, Investoren und Fonds-Verwalter auszuloten, wieviel Geld sich aus jedem vorhandenen Quadratmeter Wohnraum noch herausschlagen lässt. Wer die Renditeerwartungen mit seinem Einkommen nicht erfüllen kann, fliegt raus – egal, ob mit legalen Mitteln oder hier und da auch Methoden, die den gesetzlichen Rahmen überschreiten oder umgehen. Davon betroffen sind aber nicht nur Mieter, sondern auch viele soziale und kulturelle Einrichtungen und immer mehr Kleingewerbetreibende. Eine ausgewogene öffentliche Infrastruktur in Berlin ist damit gefährdet.

Der Senat erklärt seit etwa zwei Jahren, dass dagegen mindestens ein Kraut gewachsen ist, nämlich möglichst viel Wohnungsneubau. Wer in Frage stellt, dass preisgünstiger Wohnraum durch sehr teuren Wohnungsbau wirklich realistisch geschaffen werden kann – das Desaster des hochsubventionierten Sozialen Wohnungsbau in Berlin lässt grüßen – wird mit der Floskel „Du bist doch nicht etwa gegen den Neubau preisgünstiger Wohnungen?“ konfrontiert.

Mit dem Neubau von Wohnungen sollen aber auch vorhandene innerstädtische Grün- und Freiflächen überbaut werden. Bürgerinitiativen, die für Mitbestimmung bei der Gestaltung zum Tempelhofer Feld, zu den ehemaligen Güterbahnhofsarealen und zum Ernst-Thälmann-Park kämpfen, befürworten eine nachhaltige und langfristig ausgerichteten Stadtentwicklung. Sie wollen die Frage „In welcher Stadt wollen wir eigentlich leben?“ wieder ins Zentrum der stadtentwicklungspolitischen Diskussion rücken. Dabei müssen sie sich stets gegen einen Anfeindungen, „ökoreligiöse“ Spinner, Naturromantiker, rücksichtslose Egoisten („not in my backyard“) zu sein, und dringen mit ihrer Vision von einer anderen Stadtentwicklung in der öffentlichen Debatte kaum zu den Entscheidern durch.

Für eine andere Liegenschaftspolitik sind in Berlin die ersten Erfolge erzielt, trotzdem steigen die Mieten in Berlin bisher ungebremst weiter. Verbunden wird beides durch die Frage, welche „Räume“ eine Metropole wie Berlin ihren Bewohnerinnen bieten soll, welchen Raum für Freiräume, welchen Raum für niedrige Mieten, welchen Raum für Grün in der Stadt, welchen Raum für (bedrohte) soziale Projekte.

Welchen Stellenwert das Engagement vieler Bürger für ihre Stadt in vielen Berliner wohnungs-, mieten-, stadtentwicklungs- und sozialpolitischen Initiativen und Projekten dabei hat, welche Vision für Berlin mehr Chancen verdient, ob „Zurück zu Zille“ und berlinweite Aufwertung um jeden Preis, wie es die Pläne des Senats vielfach nahelegen, oder eine sich ausgewogen entwickelnde „Stadt für alle“, was bei vielen aber als unökonomische und sozialromantische Träumerei gilt, darüber muss in Berlin viel mehr diskutiert und gestritten werden. Einen Beitrag dazu wollen wir am 25. Januar leisten.

Jörg Lang
Anwohnerinitiative Ernst Thälmannpark