Reading: Almost Home

Reading and book presentation

from: 30.01.2014 7pm

Buchvorstellung Almost Home

Lesung von Kerstin Parlow

“Wie ich den Job bekam? Nein, ich war vorher noch nie in Ägypten und hatte auch keine Ahnung von Archäologie. Ein Freund rief an und fragte, ob ich Lust hätte, da als Fotografin zu arbeiten. Ich saß in Berlin am Schreibtisch und hatte statt des ersehnten Plans das Gefühl, hier dringend mal raus zu müssen.”

Parlow hält sich für weitgereist und stellt schon bei der Ankunft am Flughafen in Kairo fest, dass ihre Erfahrungen auf einer von Europäern sozialisierten Welt fußen. Vier Jahre verbringt sie einen großen Teil ihres Lebens im Nildelta auf einer Grabung. Dort findet sie, was ihr hier fehlt. Die Gerüche, die fremd waren, werden vertraut. Wo es anfangs um Geld ging, geht es bald um die Frage: Was bedeutet Heimat? Ist sie an einen Ort gebunden oder an Menschen? Begreift man Heimat erst dadurch, dass man sie anderswo sucht? Was lässt man zurück? Wonach sehnt man sich? Parlow hat sich diese Fragen nicht nur gestellt, sie hat sich ihnen ausgesetzt, mit offenem Ausgang.

Weißer Mercedes im Delta

Auszug aus dem Buch:

Der Wedding ist nicht Charlottenburg

Von außen sagen alle Berlin. Aber der Wedding ist nicht Charlottenburg. Vielleicht, dass beides mal Westen war. In einer so großen Stadt gibt es die Wahrheit nicht, es gibt viele. Man schottet sich ab und beginnt, den eigenen Kosmos zu pflegen, die Blumen im Hinterhof.

Kerstin Parlow

wurde 1971 in Detmold geboren. 1992 erhielt sie ein Stipendium des Bundestages und ging für ein Jahr in die USA. Sie studierte Fotografie in Mount Carmel (USA), Melbourne (Australien) und an der FH Bielefeld. Von 2000 bis 2003 war sie Fotografin der Grabung Ramsesstadt im ägyptischen Nildelta. Sie lebt als freie Fotografin und Schriftstellerin in Berlin.