Alannah Louët – Emanations

Einzelausstellung

05.02.2020 2pm  - 08.02.2020 7pm

SomoS präsentiert vom 5. bis 8. Februar 2020 Emanations, die Soloausstellung der irischen bildenden Künstlerin Alannah Louët.

Gezeigt werden Performance-Videos, Installationen und Emulsions-Fotografie. Mit Emanations leitet die Künstlerin einen kreativen Diskurs über Feminismus, das Okkulte, Fortschritt und Geschichte ein, mit dem die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft wird.

Mit Themen wie Hauswirtschaftslehre, viktorianischem Spiritismus als Ansatz lädt Louët die BesucherInnen zu ihren Narrativen ein, die in kreativer Weise über Genderrollen, Häuslichkeit, weibliche Handlungsmacht sowie Körperlichkeit und ihre Tabus reflektieren.

Louët sieht die Figur des spirituellen Mediums als die “mystische Vorfahrin des Feminismus”, welches die Grenzen gesellschaftlich akzeptierter weiblicher Ausdrucksformen und beruflicher Entscheidungen zu einem historisch wichtigen Zeitpunkt zerrüttet hat. Die spiritistische Bewegung entstand ungefähr zur gleichen Zeit wie die der Suffragetten. Dabei überschritten selbständige Frauen die Grenzen von Gender, Klasse und Rasse, strebten nach Demokratisierung der Religiosität, zeigten der klerikalen Autorität Misstrauen und boten eine nicht-institutionelle, direkte Verbindung mit dem Göttlichen.

Die in der viktorianischen Zeit beliebten Séancen legten großen Wert auf das Erscheinen von “Ektoplasma”, einer flüssigen Substanz aus spiritueller Energie, die aus dem Körper eines spirituellen Mediums trat und als Beweis für ihre Fähigkeit, mit den Toten in Kontakt zu treten, galt. Bald entstand eine ganze Industrie aus trickreiche fotografischer Kreativität in der Dunkelkammer, die das Bedürfnis, die spirituellen Ereignisse zu dokumentieren befriedigte.

Louët knüpft mit ihrer Arbeit an diese faszinierende Tradition übernatürlicher Fotografie an, indem sie Seancen nachspielt, oder den Prozess der Emulsion nutzt, um ihre Bilder wie magisch an Haushaltsgegenständen wie historische Zierdecken anzuhaften, ähnlich wie die das ektoplasmische Material in Séancen geisterhafte Eindrücke erweckt haben. Louët schafft damit Analogien zu hartnäckigen Tabus gegenüber dem weiblichen Körper und seiner biologischen Ausströmungen.

Eine Gruppe der in der Ausstellung präsentierten antiken Zierdeckchen wurden Fotos von Küchenutensilien aufgedruckt, welche für ihr Potential zum Widerstand und zur Gewalt ausgewählt wurden. Eine weitere Gruppe von Fotos zeigt Hände, die elegant zu einem Herzstück zeigen, einem Foto des Gesichts einer von Louët Darstellerinnen, die zerrissene Häkelarbeit aus ihrem Mund zu speien scheint.

Das erste gezeigte, performative Video mit dem Titel Ectoplasm on the Kitchen Floor (Ektoplasma auf dem Küchenboden) wurde vor allem durch die Bewegungen bei Transfigurationsprozessen und dem Zeigen von Ektoplasma und Séancen inspiriert. Das ruckartig und in einem pseudohistorischen Schwarzweiß-Stil gefilmte Video zeigt drei Frauen, in umfunktionierten altmodischen Zierdecken gekleidet, aus deren Vaginen, Ohren, Nasen und Mündern in unapologetischer Weise ebenfalls Zierdeckchen austreten.

Ein zweites performatives Video mit dem Titel Construction of a Pie (Konstruktion einer Torte) ist eine Zurschaustellung häuslicher Arbeit, deren Natur sich allmählich von feierlich zu zornig und aggressiv wandelt. Die Künstlerin unterminiert damit Geschlechterrollen in der häuslichen Sphäre, indem sie stereotypisch männliche Werkzeuge, wie einen Hammer, eine Kettensäge und einen Schraubenschlüssel in absurder Weise einsetzt.

Die Ausstellung wird von einer Sound-Installation ergänzt, für die Louët Geräusche und Stimmen aufgenommen und einen Synthesizer genutzt hat, um eine Klanglandschaft zu erschaffen, die sich auf die Themen der Show besinnt: die Geräusche von heulenden Frauen, Geräusche aus dem Inneren eines Mutterleibes und die des weiblichen Mediums beim Durchleben einer “Transfiguration”, dem besessen Werden durch männliche Geister, die ihnen erlauben, auf sonst verbotene Weise zu handeln und zu sprechen.

Zusätzlich wird eine partizipatorische Installation gezeigt: Female Feast wird das Nachspiel eines aufwendigen Festmahls darstellen und dabei Frauen in ihrer eigenen harten Arbeit schwelgend zelebrieren.

Louëts Ausstellung soll eine alternative Perspektive der historischen Praxen der gesellschaftlichen Einbindung von Frauen vorschlagen. Mit einer Vielzahl künstlerischer Medien strahlt ihre Show den Geist rebellischer Handlungen gegen Häuslichkeit und vorbestimmten Genderrollen aus.

Über Alannah Louët:

Alannah Louët ist interdisziplinäre Künstlerin. Sie stammt aus Irland und lebt in London und Berlin. Obwohl Louët hauptsächlich mit Fotografie arbeitet, bestimmt das jeweilige Thema jedes ihrer Projekte die Auswahl ihrer Technik, und darunter fällt oftmals auch Installation, Performance, Film und inszenierte Fotografie.

Louët erhielt am London College of Communication, University of the Arts, London 2019 einen Bachelor of Arts in Fotografie mit Auszeichnung. Sie hat umfangreiche Erfahrung mit Fotografie und hat sich dabei auf analoge Fotografie, Schwarz Weiß-Dunkelkammer-Produktionen, darunter alternative Druckformen wie Fotoemulsionstechnik spezialisiert.
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Vernissage: Dienstag, 4. Februar 2020, 18 bis 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. bis 8. Februar, 14 bis 19 Uhr, und nach Vereinbarung
Eintritt frei
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SomoS, Kottbusser Damm 95, 1.0G, 10967, Berlin (U8 – Schönleinstraße)