Streaming Data is the Ultimate Trust Exercise with the Moon

Einzelausstellung Corinna Berndt

from: 28.08.2019 14 Uhr  to: 31.08.2019 19 Uhr

“Strecke den Arm aus und berühr das OS”

Mit diesen Worten werden Sie beim Eintritt von der SomoS Artist-in-Residence-Künstlerin Corinna Berndt (AUS/DE) zu ihrer Einzelausstellung eingeladen, auf neue Technologien zuzugehen, und damit die unscharfen Linien zwischen der physischen und der virtuellen Welt zu überschreiten. Ihre Einzelausstellung Streaming Data is the Ultimate Trust Exercise with the Moon markiert den Abschluss ihres dreimonatigen Aufenthaltes im SomoS und stellt eine Sammlung fein artikulierter, Science-Fiction-inspirierter Kommentare auf die Einwirkungen der Technologie auf das menschliche Leben vor.

Wie der Titel der Ausstellung schon vermuten lässt, könnte die Interaktion mit einem besonderen Gegenstand und dem Weltraum selbst zwei gleichartig bedeutende Dimensionen miteinander in Kontakt treten lassen. So wie Staaten einsame Rover in den Weltraum schicken, um den Planet Mars zu erkunden, so bewegen Individuen auf der Erde ihre Hände über Touchscreens, und das in einem exponentiellen Tempo. In beiden Fällen dient Technologie als verlängerte Gliedmaße des Menschen, als ein Weg, die physische Realität zu begreifen und zu navigieren. Streaming Data is the Ultimate Trust Exercise with the Moon präsentiert dabei eine vielfältige Aufstellung an verschiedenen Medien aus den Bereichen Video, digitaler Kunst, Skulpturen und Texten, die die Räume von SomoS interpunktieren und dabei ein intimes Kommentar über das komplexe Zusammenspiel von Technologie, dem täglichen Leben und die körperlichen (körperlosen) Facetten des menschlichen Lebens bieten.

Obgleich der Tatsache, dass Technologie weite Welten heraufbeschwört, ist Digitalisierung ein Akt der Translation, der aber die physischen Realitäten des Subjekts, die er darstellt, nie völlig reproduzieren kann. Glitches, Pannen und Diskrepanzen sind unvermeidbar, wenn Informationen in die digitale Ebene transferiert werden, und doch werden diese nicht abgewehrt, sondern in der Arbeit von Berndt, die die Ausstellung zeigt, begrüßt. Ein herausragendes Beispiel ist ihr Silent Museum, eine Reihe von digitalen Bildern (oder sind es Skulpturen?), die aus alltäglichen Objekten entstanden, die 3D-gescannt wurden. In ihrer oftmals klobigen und unbeholfenen Rekonstruktion tragen die Objekte oft nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit ihrer realen Form. Stattdessen bewirken die Glitches in der Übersetzung, dass sie mehr an Fossile und Ornamente erinnern, die untersucht werden wollen. Wir können die Glitches bestaunen, versuchen, sie zu interpretieren, ihre Entstehung zu ergründen und uns fragen, was wäre, wenn sie tatsächlich die Realität oder zumindest ihre eigene Wahrheit repräsentieren würden. In diesem Sinn versucht Berndts Solo-Ausstellung, die physisch-digitale Fehlübersetzung nicht als Versagen, sondern als Möglichkeit der Reflexion zu verstehen.

Letztendlich stellt Streaming Data is the Ultimate Trust Exercise with the Moon ein Portrait des körperlosen Posthumanen dar. Berndts Videokunst, die – inspiriert durch Andrei Tarkovsky’s Solaris – einen sprechenden See enthält, ihre Stanzcode-Skulptur mit Verweis auf den ersten Computer und ihre teilweise mit Bots generierten Texte lassen sich alle auf die ersten Zeilen Code zurückführen – strecken Sie den Arm aus, um das OS zu berühren. Öffnen Sie Ihren Körper der Technologie, um die Realität zu verstehen. Die Entkörperlichung ist damit nur eine Armlänge weit entfern.
 

Über Corinna Berndt

Multimedia-Künstlerin Corinna Berndt lebt in Melbourne und arbeitet mit Skulptur, Installation und Video. Ihr Interesse liegt in der Spannung zwischen physischen und digitalen Erfahrungen. In ihre Arbeit spürt sie die Interaktionen zwischen Objekten und Lebewesen auf, und verwendet dabei Techniken wie Collage oder Bildmanipulation.

Berndt hat kürzlich einen Master of Fine Arts mit Auszeichnung am Victorian College of the Arts in Melbourne, Australien erlangt (2015-2017). Davor erhielt sie einen Bachelor of Fine Arts von der University of Auckland, Neuseeland (2003-2007).

Ihre Arbeit wurde in verschiedenen Galerien und Projekträumen in Melbourne gezeigt, darunter Anna Papa’s Gallery, West Space, Kings Ari und im C3 Contemporary Art Space. Ausgewählte Einzelausstellungen waren Collision Level, FeltDark, Adelaide (2018); Invisible Vision & Superimposed Rhubarb, Kings Artist Run (2017); To Move in Non-Linear Dimensions bei der Trocadero Art Space in 2016, und Activities for Small Hours auf der Seventh Gallery in 2015.

Einige ihrer Gruppenausstellungen waren Our Selves, Ctrl+Shft Collective, Oakland, USA (kuratiert von Frances Fleetwood, 2017); Hobienniale, Hobart (2017), MCA ARTBAR, Museum of Contemporary Art Australia, Sydney (kuratiert von Julia Gorman, 2017); und Five Cents Cinema, Melbourne Fringe Festival, Melbourne Town Hall (kuratiert von Paula van Beek, 2016).

Die Künstlerin erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, darunter den Felt Space Philanthropic Fund (2017); den Fiona Myer Award for Excellence (2016); und den VCA & MCM Faculty Small Grant in 2016. Sie schloss 2017 einen 12-monatigen Künstleraufenthalt im Five Walls Project ab.

Die Arbeit von Corrina Berndt ist auch in der Privatsammlung von Artbank Melbourne im in der National Gallery of Australia vertreten.


Streaming Data is the Ultimate Trust Exercise with the Moon
Einzelausstellung Corinna Berndt (AUS/DE)
Vernissage: Tuesday, August 27, 6-9pm
Dauer: August 28-31, Di-Sa 14-19 Uhr und nach Vereinbarung
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Corinna Berndts Künstlerresidenz bei SomoS wurde freundlicherweise von der Universität Melbourne, Fakultät für Bildende Kunst und Musik, unterstützt.

University of Melbourne